Sentementol - Mole Schrott
Ein Review von Patrick Fiedler (aka The Quick Nick)

Eines vorweg: Ich habe keine Ahnung, was genau Mole eigentlich ist. Vielleicht etwas zu essen? Oder ein Regal von Ikea? Ich weiß es wirklich nicht, aber in jedem Fall steht das uns hier vorliegende aktuelle Album der avantgardistischen Gröhl-Dance Veteranen von "Sentementol" unter dem Stern dieses komischen Wortes...also MOLE, und nicht Schrott...

Tauchen wir nun erneut in die sentementol'sche Welt ein. Die Tiefseereise führt uns dieses mal wirklich bis ganz nach unten, doch im Gegensatz zum "Testolment" meine ich damit eher das textliche Niveau als die seelischen Abgründe - "Mole Schrott" beschäftigt sich mehr als nur einmal mit...nun...mit Kot. In Songs wie "Du bist das Clo der Welt" oder "Der Postkastenscheisser" widmet sich Alfons Bauer in gewohnt radikaler Weise ganz dieser natürlichen Ausscheidung. Das ist äusserst geschmacklos, aber wollen wir das denn überhaupt anders haben? Wir hören hier immer noch "Sentementol", oder?

Weiter im Text. Es ist ja schließlich nicht alles Scheiße auf der Mole, auch, wenn die Geschmacklosigkeit noch nicht am Ende angelangt ist, wie uns besonders das Lied "Schickt mich die Mutter" so beispielhaft zeigt. Den Inhalt erläutere ich lieber gar nicht erst näher, nur soviel...es hat wieder etwas mit Ausscheidungen zu tun. Doch genug den ganzen Abartigkeiten, "Mole Schrott" bietet auch ordentliche und nachdenkliche Lyrik. "Da Georg is in Russland" z.B. kann durchaus als Anti-Kriegs-Hymne angesehen werden, und mit "Es herrschen die Gewalten" ist ein Song vertreten, der uns allen zeigt, was passiert, wenn wir nicht bald mal etwas besser auf unsere Mutter Erde aufpassen. Es ist somit überdeutlich, dass diese CD enorme Gegensätze aufweist, was die Songs betrifft. Doch keine Panik: Neben den sehr WC-lastigen und den erschreckend-ernsthaften Stücken findet man auch genug humorvolle Tracks, die wieder typischer für "Sentementol" sind.

Interessant ist - besonders für die Fans des Duos - dass viele "Mole Schrott"-Lieder komplett neu aufgenommene Versionen von eigentlich bereits existierenden Texten aus den Jahren 1992 bis 1995 sind. Michael Bezold hinterlegte diese größtenteils mit einem moderneren und vor allem frischen Soundgewand, um es zeitgemäßer (aber nicht minder Ohrwurm-lastiger) zu machen. Man kann sich schon ein recht gutes Bild von den früheren Tagen machen, als es ausser Kassettenrecordern nicht viele Möglichkeiten für "werdende Stars" gab, ihre Fähigkeiten für die Nachwelt zu erhalten. Es wäre wahrlich eine Schande gewesen, wenn diese Scheibe nie entstanden wäre. Oder wäre es ein Segen gewesen? Eigentlich egal...denn wie heißt es in einem der Songs? Es ist zu spät...

Für Fans von:

Eurodance, Trash...und vielleicht sogar Schlager

+ Einblicke in die Vergangenheit von "Sentementol"
+ Wiederhören mit altbekannten Sentementol-Kult-Charaktern
- Der ganze Fäkal-Humor ist teilweise etwas geschmacklos geraten (Anm. des Produzenten: Das meint er eigentlich nicht so!!!...^^...)
- Vieles klingt zu sehr nach anderen Album-Tracks